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Mundart-Gedichte
Lebenslauf

1.

Kaum bisd geborn, kummsd in die Scholl.

Und hasd nou dei nein Klassn voll,

machsd, walls sa mou, brav a Lehr,

denn wennsd wos glernd hasd, bisd aa wer.

 

Is däi Lehrzeid nou verbei,

is nuni goar, dä Lernerei:

Madli wern vo Boum schdudierd.

Mid Driggs wärd oalles ausbrobierd.

 

Vull Wißbegier senn aa die Madli:

verfiern die Boum mid Minikladli.

Kreiz und quer wärd dou bussiert.

A Gligg, wenn weiders nix bassierd.

 

Edz lernsd ofd ned blouß sedde Sachng

däi schbeeder dir aa Freid nu machng.

Mer lernd aa Zeich, des wos ned brauchd.

Des zu an gsundn Leem ned dauchd.

 

IIch denk edz an des Qualma blouß:

Hasders derschmeggd, bingsds nemmer lous.

 

2.

Ärcherdswenn kummd nou die Zeid,

dou bisd des rumschlschlawienern leid.

Nou souchd mer si, fallsd nu kann hasd,

an Mensch fiers Leem - der zu aan baßd.

Ganz korz gsachd: Mer souchd hoald ann,

mid dem mer si aa poaren kann.

Es is nix gscheids zu zweid allaa,

drum will mer schließli Kinner aa.

 

3.

Nou wärd gärwerd und wärd kafd.

Wärd si des und des oogschaffd.

Und ned allaans aaf Godd verdraud,

wall dä ja dir ka Heisla baud.

 

Schaud, daß die Kinner aa wos wern.

Senns wos worn, siechd mer des gern.

Aa in Urlaub foahrn mouß saa:

Mer lebbd fierd Ärwerd ned allaa.

 

Wer blouß ärwerd, sich nix gennd,

dä hadsi in sein Leem verrennd.

 

Suu gäids fasd a Leem lang zou,

bis mer sachd: Edz is a Rouh.

Des wos iich kennd hoab, hoabi dou.

 

4.

Als Redner machsd nou sedde Sachng,

däi aan a bissla Freid nu machng.

A däi wo sa mäin, moumer dou,

sunsd had di liebe Seel ka Rouh.

 

Su vergenger Joahr um Joahr.

Wärsd sieberzg, is scho wunderboar.

 

5.

Du lieber (Name) feiersd heid

dein siebzigsden - und oall däi Leid

wünschen Dir von ganzn Herzen

a Älderwern ganz ohne Schmerzn.

 

Viel schäine Dooch vull Heiderkeid.

Zum Drübsoal blousn is ka Zeid.

Zehr vo deine schäine Joahr.

und frei di, daß ned andersch woar.

 

Schau aa nach vorn, genieß di Zeid,

däi dir aaf Erden dou nu bleibd.

Wer waß, woas oom im Himmel gschichd,

denn nix Genaues wass mer nichd.

 

Erwin P. Kandel