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“Nach uns die Sintflut?”




Gemälde von Antonio Carracci

… wie oft habe ich das in den letzten Tagen rings um den Klimagipfel gedacht oder gehört. “Nach uns die Sintflut”, das sagt man ja, wenn es einem relativ egal ist, was die Folgen des eigenen Tun oder Lassens sind. “Nach uns die Sintflut”. Die Regierungen betonen zwar, wie wichtig ihnen der Klimaschutz ist. Aber auf gemeinsame verbindliche Vereinbarungen dazu haben sie sich noch nicht festgelegt.

Und wir? Ehrlich gesagt, denken oder leben wir doch auch oft so: “Nach uns die Sintflut?!”. Manche verharmlosen: “Ob das alles so stimmt, was die Wissenschaftler da behaupten”, hat eine Nachbarin gestern noch zu mir gesagt. “Wärmere Winter hat es doch auch früher gegeben!” Und ich selber: Klar hab ich auch dieses Jahr meine Lichterketten aufgehängt. Und den Großeinkauf, die Kinder von hier nach da fahren – wie soll ich das schaffen ohne Auto?

Vielleicht tue ich so wenig gegen den Klimawandel, weil der für uns hier in Deutschland noch so weit weg ist. Millionen von Menschen anderswo steht das Wasser schon buchstäblich bis zum Hals: In Bangladesh steigt der Meeresspiegel, die Böden und das Grundwasser versalzen. Oder umgekehrt: Die Bauern in den Hochtälern der Anden, in Peru und Bolivien, die wissen bald nicht mehr, wie sie ihre Felder bewässern sollen. Die Gletscher schmelzen rasant weg.

Das heißt: Den Preis für unseren Lebensstil zahlen jetzt die Menschen in den Entwicklungsländern. Damit geht auch das soziale Klima der Welt kaputt. Aber auch unsere Kinder und Enkel werden die Folgen tragen müssen: Die Treibhausgase, die wir heute in die Luft pusten, bleiben dort 100 Jahre lang. Sie heizen die Erde weiter auf. Unsere Kinder werden uns eines Tages womöglich zur Rede stellen: Warum habt ihr nicht rechtzeitig etwas dagegen unternommen?

“Nach uns die Sintflut?” Nein, so will und kann ich nicht leben. Genau das sagt mir auch die biblische Geschichte von der Sintflut: Als Noah mit den Tieren wieder trockenen Boden unter den Füßen hat, verspricht Gott: Von mir aus soll nie wieder eine Flut das Leben auf der Erde vernichten. Ihr Menschen seid für die Erde verantwortlich, für eure Mitmenschen, für alle Lebewesen auf der Erde.

Das heißt bis heute: Bewahrt diese Erde und sorgt für alle Lebewesen!

In dieser Woche ist das die Aufgabe der Regierungschefs: Sie müssen sich in Kopenhagen einigen: Die Erderwärmung darf maximal um 2 Grad steigen! Die Klimasünder müssen zahlen. Die großartigen Ideen und Technologien für den Klimaschutz müssen weltweit gefördert und verbreitet werden.

Und natürlich sind auch wir Einzelne gefordert. Wir wissen ja schon so vieles, aber wir müssen es auch tun: Unsere Wohnungen dämmen, damit die Energie nicht zum Schornstein raus geht. Mit dem Zug in die Ferien – statt mit Flugzeug oder Auto. Spenden für Katastrophenhilfe und Schutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern. Auch kleine Taten haben Wirkung: Die Wäsche öfter mal aufhängen statt bequem in den Trockner stecken. Beim Zähne-putzen nicht das Wasser laufen lassen. Eine Familie kann dabei im Jahr 26.000 Liter Wasser sparen! Und jetzt in der Weihnachtszeit – eine Lichterkette weniger tut es bestimmt auch! Das klingt jetzt so einfach – und ist es im Alltag oft nicht. Aber deswegen: “Nach uns die Sintflut?” Nein. Es geht um das Überleben unserer Erde.

Dafür müssen wir alle etwas tun – die Regierenden und jeder und jede von uns. Wann, wenn nicht jetzt?

Verena Maria KitzDasErste.de

#Gesellschaft #Sintflut

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